Alles ist möglich… Die Konrad Adenauer Stiftung reformiert ihr Familienbild !

kas_38060-1664-1-30_80[1]Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat jüngst eine Studie mit dem Titel „Familienleitbilder in Deutschland – Ihre Wirkung auf Familiengründung und Familienentwicklung“ veröffentlicht. Die Studie basieret auf den Ergebnissen einer Befragung von 5.000 Personen im Alter von 20-39 Jahren durch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung aus dem Jahre 2013 und geht der Frage nach, welchen Familienleitbildern junge Menschen in der heutigen Zeit nachstreben und wie diese Leitbilder die praktische Familiengründung und -entwicklung beeinflussen. Damit wagt sich die CDU-nahe Stiftung auf politisch gefährliches Terrain, hat das klassische Familienbild von Vater-Mutter-Kind in der konservativen Politik doch eine feste Verankerung, wie die vergangenen Debatten um Herdprämie und ähnliches zeigen. Die Ergebnisse der Studie fallen erwartungsgemäß aus, erfreulich überraschend sind die Schlussfolgerungen der KAS hierzu.

Die Studie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich die Familienleitbilder in Deutschland gewandelt haben (S. 6), das „Spektrum der Familienformen hat sich erweitert“, so die Autoren. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass nicht mehr nur die klassische Kleinfamilie, bestehend aus „Vater-Mutter-Kind“ als Familie angesehen wird sondern auch andere Familienformen wie Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, nichteheliche Lebensgemeinschaften als Familienformen gesellschaftlich weit überwiegende Anerkennung genießen. Das verwundert nicht sondern spiegelt die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung wider. Beispielsweise hat auch die Evangelische Kirche in Deutschland ihr Familienbild kürzlich reformiert (dazu siehe in diesem Blog).

Bedeutender sind die Schlussfolgerungen, die die Autoren aus dem Gesamtergebnis der Studie ziehen:

Die gegenwärtige Familienpolitik weise deutliche Schwachstellen auf. Hierzu zählten insbesondere die Inkohärenz und Ineffektivität einzelner Maßnahmen sowie eine zu strikte Orientierung am klassischen Familienleitbild (S. 30).

Als politische Handlungsempfehlungen sieht das Papier folgendes vor:

„Strategisch gilt es zwei Kernziele zu realisieren: Zum einen geht es darum, der Vielfalt von Familien- und Lebensformen, in denen Menschen heute für einander Verantwortung übernehmen, besser gerecht zu werden. Zum zweiten müssen die Inkonsistenzen und Widersprüche zwischen den vielen verschiedenen familienpolitischen Maßnahmen ausgeräumt und eine deutliche Zielorientierung entwickelt werden. Eine moderne Familienpolitik muss also strategisch angelegt, konsistent und auf klare Ziele hin ausgerichtet werden. Sie sollte, soweit möglich, keine Leitbilder vorgeben – auch nicht implizit –, sondern die Vielfalt des Familienlebens und der dahinter stehenden Leitbilder vorbehaltlos akzeptieren.“

Diese strategische Ausrichtung ist bemerkenswert für eine konservative Stiftung. Sie ist durchaus zu befürworten, denn sie ist ein Zeichen dessen, was die heutige Familienpolitik benötigt: gestaltende Kraft in der Sache (dazu siehe auch folgenden Blogbeitrag). Die familienpolitischen Maßnahmen der vergagenen Jahre waren alles andere als durch besonderen gestalterischen Willen des Gesetzgebers gekennzeichnet. Man denke nur an das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Lebenspartner, die der Gesetzgeber diesbezüglich immernoch nicht vollständig gleichgestellt hat (dazu siehe jüngtst der Blogbeitrag). Es ist zu hoffen, dass dieser Appell aus den eigenen Reihen in der konservativen Familienpolitik von CDU und CSU für Bewegung sorgen wird.

Bei der Frage, ob die Politik jede Ausprägung des Familienlebens tatsächlich vorbehaltslos zu akzeptieren hat, kann man allerdings geteilter Meinung sein, denn auch die Politik zählt ja als gestaltende Kraft zu den Elementen, die die Kultur, die gesellschaftliche Struktur und die gesellschaftliche Werteordnung mitbeeinflussen (sollen). Vor den gesellschaftlich akzeptierten Formen des Familienlebens, wie sie Gegenstand der Studie der KAS waren, darf allerdings auch die Politik nicht die Augen verschließen.

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